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Wie fange ich Nachtfalter

Ein Entomologe in Südost-Asien > Erfahrungen,Tips & Tricks > Entomologie > Sammeln

Der Schmetterlingsfang in der Nacht

Beste Ergebnisse nachts bekommt man i.d.R. wenn der Mond nicht scheint oder der Himmel stark bewölkt ist. Leichter Wind und leichter Regen oder die Zeit direkt nach einem Regen sind sogar vorteilhaft.
Um nachts Schmetterlinge zu fangen, bediene ich mich zweier bekannter Methoden:
  • Lichtfang
  • Köderfang

Lichtfang

Wie ich schon beim Thema Ausrüstung schrieb, benutze ich hauptsächlich 40W-Leuchtstoffröhren, oft in Verbindung mit einer hellen, großen Daylight-Wendellampe oder einer 125Watt-Mischlichtlampe. Erscheint mir die Gegend lohnend, und ich kann in der Nähe eines Hauses mit Elektroanschluß leuchten, mache ich das selbstverständlich, gebe dem Besitzer für seine Freundlichkeit am Ende 50 oder 100 Baht und habe keine Umstände mit dem Benzingenerator. Und wenn die Möglichkeit gegeben ist, macht es sich gut, Leinwand und Lampen unter einem Dachvorsprung aufzustellen. Ist das alles nicht vorhanden, bleibt nur der Betrieb mit dem Generator. Die Aufstellung sollte mindestens 10-15m entfernt von der Lampe sein, um nicht von dem Motorengeräusch und den Auspuffgasen genervt zu werden. An Benzinverbrauch kann man bei den kleinen Generatoren (<1KW, was wohl immer ausreicht) mit etwa einem halben Liter pro Stunde rechnen. Selbstverständlich habe ich immer einen vollen Reservekanister dabei. Wenn die Frage der Stromversorgung geklärt ist, heißt es, den optimalen Platz für die Lampen zu finden. Es sollte möglichst freies Sichtfeld von wenigstens 100m sein und der Lebensraum der Falter mit entsprechender Vegetation sollte sich dann unmittelbar anschließen.

Leinwand mit Lampen an einer Hauswand

Kann man eine weiße Wand als Hintergrund nutzen, sollte man es auch tun, um den Aufbau des Gestells mit der Leinwand zu umgehen. Auch andere Wände können unter Zuhilfenahme der Leinwand provisorisch genutzt werden. Es muß nur eine Lösung gefunden werden, sowohl die Leinwand als auch die Lampen in die richtige Stellung zu bringen. Und es muß auch keine extra Leinwand sein, denn z.B. auch ein weißes Moskitonetz eignet sich sehr gut als Leuchthintergrund und hat bei Wind sogar noch einen Vorteil, daß es nicht wie ein Segel im Sturm wirkt und man außerdem besser sieht, was auf der Rückseite passiert. Immer daran denken: Es werden keine Schönheitspreise verliehen. Zweckmäßigkeit ist Trumpf!


Moskitonetz an einer Farmarbeiterhütte
(meine Utensilien sind dahinter)

Ist das soweit erledigt, wird der Klapptisch nahe der Lampe postiert, auf den die Tötungsgläser (8-10 Stück), -spritzen (2 Stück), Pergamintüten, Pinzette, Taschenlampe und die Nachfüllflaschen kommen. Ebenfalls in Reichweite sollten der Fotoapparat und die Plastikbehälter für Weibchen zwecks Eiablage sein. Einen Kescher stelle ich immer bereit, muß ihn aber nur ganz selten benutzen. Dann werden die Spritzen gefüllt und der Äther in die Gläser gegeben.
Ich rechne mit ca. einer halben Stunde, bis alles fertig ist. Mit Beginn der Dämmerung schalte ich dann das Licht an. In Abhängigkeit vom Anflug leuchte ich dann zwischen 3 und 10 Stunden (bis zum Morgen). Viele Arten kommen erst nach Mitternacht ans Licht, wie z.B. auch viele Augenspinner (Saturnidae).

Reger Anflug am Moskitonetz

Anfliegende Schmetterlinge nehme ich direkt mit dem Tötungsglas von der Leinwand ab, d.h., ich warte immer ab, bis sie sich hingesetzt haben. Da fällt schon die erste Entscheidung: Mitnahme oder nicht. Ist der Falter beschädigt (außer Weibchen zur Eiablage) oder möchte ich diese Art nicht, kommen sie natürlich nicht ins Glas. Anderenfalls mit dem Glas nahe heran, den Deckel auf und das Glas über den Falter halten, der dann selbst hineinfliegt, Deckel schließen und warten, bis die Betäubung einsetzt. Dann auf dem Tisch ausschütten und nochmals begutachten. Große Falter, z.B. Schwärmer, die ich mitnehmen will, werden dann gespritzt und kommen mit nach oben gefalteten Flügeln in eine Pergamintüte und diese zum Transport in eine Plastikbox. Kleinere Falter kommen in das Sammeltötungs-"glas", in dem natürlich auch Äther ist. Käfer kommen generell in ein gesondertes Tötungsglas und verbleiben dort bis ich wieder zu Hause bin.

Hier ist die Lampe gegenüber der Leinwand angebracht
(auf dem Balkon eines Resorts)

Beim Abbauen/Einpacken achte ich darauf, daß alles wieder so verpackt wird, daß es beim nächsten Mal ohne Umstände sofort wieder einsatzbereit ist.

Köderfang

Köderstreifen (Demo)

Zum verwendeten Köder habe ich schon im Punkt Ausrüstung etwas geschrieben. Ich habe immer 1-2 Liter davon mit. Da ich meistens Ködern und Leuchten parallel mache, suche in dann in der Nähe der Leuchtstelle, möglichst an einem Weg oder zumindest Waldrand, geeignete Bäume aus, an denen ich etwa in Mannshöhe eines der weißen Notizblockzettel mit einer Reißzwecke anbringe.
Diese weißen Zettelchen sind in der Dunkelheit äußerst hilfreich, um die eigentliche Köderstelle wiederzufinden und anzuleuchten.
Mit Beginn der Dämmerung wird dann der Köder ausgebracht. Früher habe ich dazu hauptsächlich einen dickeren Pinsel benutzt, um direkt unterhalb der Zettel etwa handtellergroße Flächen satt einzustreichen. Heute verwende ich fast ausschließlich die unter "Ausrüstung" beschriebenen Köderstreifen. Diese lege ich schon Stunden vorher in die Schraubbox mit dem Köder ein, damit sie sich richtig vollsaugen können. An Ort und Stelle werden dann jeweils einer oder zwei mit einer langen Pinzette entnommen, an den Stamm unter des Papier gehalten und ebenfalls mit einer Reißzwecke festgemacht. So wird erreicht, daß die Hände weitgehend sauber bleiben.
Dann wird in Abständen mit der Taschenlampe, oder noch besser mit einer Stirnlampe, der Köderbereich abgesucht, und auch dort die interessanten Falter direkt mit dem Glas abgesammelt. Immer vorsichtig an die Köderstelle herantreten, um nichts zu verscheuchen! Die weitere Behandlung erfolgt dann analog der beim Leuchten. Vor der Heimfahrt werden dann die Reißzwecken und die Köderstreifen wieder eingesammelt und zu Hause entsorgt. Eventuell kann man die Streifen auch wiederverwenden.


Überreife Papaya und saugende Noctuidae

Auf einen anderen Köder möchte ich noch hinweisen. Oftmals finde ich Früchte in der Nähe meiner Leuchtstelle, die überreif sind, teilweise angefressen und schon gären, noch an den Pflanzen oder unmittelbar darunter. Diese sind hervorragende natürliche Köder und sollten mit ins Visier genommen werden (auch manche Tagfalterarten werden davon angelockt!). Ich habe schon mehr als ein Dutzend Eulen (Eudocima spec.) an einer solchen Papaya-Frucht gesehen.





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